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Herzensangelegenheit Schulgarten

#Praxisbeispiele

von Melanie Glaettli

In Yverdon-les-Bains verlassen Klassen die Schulzimmer, um in der Erde Wurzeln zu schlagen. SILVIVA ist in diese lebendige Welt eingetaucht, in der Schülerinnen und Schüler säen, sich miteinander und mit der Natur verbinden und prächtig gedeihen.

Seit einigen Jahren hat sich rund um den «Jardin du Cœur» (Garten des Herzens) eine echte Bewegung entwickelt – ein lebendiger Ort, an dem die Kinder gärtnern, beobachten, kochen und lernen, die Welt um sich herum zu verstehen. Auf Initiative von Frédérique Böhi, Kulturvermittlerin und Nachhaltigkeitsbeauftragte für die Primarschule, nehmen jedes Jahr zwölf Klassen an diesem Projekt teil, das vom Verein «Cœur d’artichaut» (Artischockenherz) getragen wird. Gemeinsam bauen sie an, ernten, verarbeiten und feiern ihre Entdeckungen bei Festen, die für Familien und Anwohnende offen sind. «Die Idee ist, dass die Schülerinnen und Schüler alle Phasen miterleben, von der Aussaat bis zur Verkostung, und dabei eine tiefe Verbindung zur Natur und zur Gemeinschaft entwickeln», erklärt Frédérique.

Eine fruchtbare Kombination von Kompetenzen

Das Projekt hat sich, unterstützt von éducation21, der Gemeinde Yverdon und mehreren lokalen Partnern, weit über den Garten hinaus ausgebreitet. Und das Netzwerk wächst: Pro Natura bietet im Zentrum Champ-Pittet Weiterbildungen zu Vögeln, Böden und Biodiversität an; die Stadtbibliothek nimmt das Thema nachhaltige Ernährung auf und das «Centre professionnel du Nord vaudois» stellt den Schulklassen weitere Anbauflächen zur Verfügung. Alle Akteure tragen einen eigenen Teil zum Ganzen bei, sodass die Lehrpersonen ihre Ansätze variieren und Umweltfragen und verschiedene Fachbereiche miteinbeziehen können.

Wie der «Jardin du Cœur» entstanden ist, erzählt Kapitel 6 im Sammelband «Les 7 merveilles d’Yverdon-les-Bains».

Das Lernen draussen gehört zu dieser Dynamik fest dazu. Dank einer Weiterbildung mit Ismaël Zosso (HEP Vaud) zu «Place-Based Education» haben rund sechzig Lehrpersonen Lernsequenzen im Freien konzipiert, die an verschiedenen Orten der Stadt getestet wurden: in Parks, am Seeufer, in der Altstadt oder sogar auf dem Markt. Einige haben eine «lebendige Enzyklopädie» eines Parks erstellt, andere haben das Märchen vom Rotkäppchen mithilfe von Kartografie neu interpretiert. Diese Erfahrungen werden nun auf einer internen Plattform für Lehrpersonen in Yverdon geteilt, um andere Kolleg*innen zu inspirieren. «Wir wollten vermeiden, dass all diese Arbeit in einem vergessenen Ordner landet», betont Frédérique.

Unterstützung, die trägt

Doch dieses Abenteuer ist nicht ohne Herausforderungen. Die Finanzierung bleibt ein heikler Punkt: Ohne die Unterstützung der Gemeinde oder von Vereinen könnten sich nur wenige Schulen diese Aktivitäten leisten. Und auch wenn die Motivation gross ist, fühlen sich nicht alle wohl dabei, draussen zu unterrichten. Es mangelt an Zeit, Erfahrung oder manchmal auch an Selbstvertrauen: Manche Lehrpersonen befürchten, dass sie das Thema Biodiversität nicht ausreichend beherrschen oder draussen die Kontrolle über die Klasse verlieren könnten. Um diese Hindernisse zu überwinden, betont Frédérique, wie wichtig Weiterbildungen, gegenseitige Unterstützung unter Kolleg*innen und kleine, niederschwellige Elemente sind: rausgehen, um unter einem Baum zu lesen, kann ein erster Schritt sein.

Eine Entwicklung, die zuversichtlich stimmt

Die grosse Stärke des Projekts in Yverdon ist die gemeinschaftliche Dimension. Eine klare Koordination, ein Netzwerk engagierter Akteure und Akteurinnen sowie unterstützende Schulleitungen: All dies sorgt dafür, dass die Dynamik anhält und sich immer wieder erneuert. «Wenn eine Idee geteilt wird, wenn sie zum Gemeingut wird, schlägt sie Wurzeln», fasst Frédérique Böhi zusammen.

Nachhaltigkeit ist in Yverdon nicht bloss ein Schlagwort: Es ist eine Kultur, die langsam, aber sicher in den Köpfen und Herzen der Kinder wächst.

 

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