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„Waldpädagogik ist ja gar nicht ‚gschpüürschmi’!“

Forstliche Waldpädagogik ist wenn Forstfachleute Bildung betreiben. Meist geht es um ihr Kerngebiet, die Waldwirtschaft.

SILVIVA unterstütz Waldfachleute dabei, gute Waldpädagogik zu machen. Dafür bieten wir Kurse an. Nun ist es Zeit, ein paar wichtige Erkenntnisse von Teilnehmenden aus Kursen der forstlichen Waldpädagogik der letzten Monate zu veröffentlichen. Ganz im Sinne eines Wissenstransfers. Eine deutlich kürzere Version des Artikels findet sich im „Wald und Holz6/17.

Lernen muss jede und jeder selber, das ist Arbeit, aber wir alle wollen lernen und zwar das ganze Leben lang. Ausserdem ist das Lernen von Peers (von ‚Gleichrangigen’) und soziales Lernen effizient. Davon ist die Wissenschaft und SILVIVA überzeugt. Um dem Rechnung zu tragen, sind im Folgenden nur von Teilnehmenden selbst formulierte Erkenntnisse aus SILVIVA Kursen wiedergegeben. Es soll einen Überblick geben, was gute forstliche Waldpädagogik aus Sicht dieser lehrenden und lernenden Forstfachleute ausmacht.

Glaubwürdige Bildung über den Wald, am besten im Wald

Ein Ergebnis des dreitägigen Kurses im BZW Maienfeld im Rahmen des Försterlehrgangs war eine lange, von den Studenten erarbeitete Kriterienliste für gute forstliche Waldpädagogik. Hier ein Auszug:

  • Wenn immer möglich draussen (im Wald)
  • Konkrete Beispiele vor Ort zeigen
  • Wissen spielerisch vermitteln
  • Auf die Zielgruppe eingehen und deren Wissen miteinbeziehen
  • Authentisch sein
  • Materialien aus dem Wald verwenden
  • Planen (lieber zu viel als zu wenig)
  • Gute Waldpädagogik ist finanziert
  • ...


Folgende Frage stellte sich ein Teilnehmer zum Schluss des Kurses: „Kann ich mit Erwachsenen, insbesondere interessierten Fachpersonen (Gemeindepräsident, Waldchef, etc.), ebenso spielerisch arbeiten?“


Eine Antwort haben die Teilnehmenden des 3. waldpädagogische Lagerfeuers gegeben. Das junge Format von SILVIA thematisierte am 4.11.16 im Tierpark Goldau Waldpädagogik mit Erwachsenen.

Etwas bieten, z.B. Natur und Tierpark Goldau mit allen Sinnen

Simulation Sehkraft von Wildschweinen (c) Isabelle Frühwirt
Simulation Sehkraft von Wildschweinen (c) Isabelle Frühwirt

Der von Daniel Buresch (Leiter Umweltbildung im Tierpark) angeleitete Einblick in den Tierpark Goldau und seine Pädagogik zeigte, auch Erwachsene wollen mit allen Sinnen und spielerisch erfahren. Auch wir Teilnehmenden des Kurses tasteten gerne das feine Otterfell (50‘000 Haare pro cm2) und tapsten als halbblindes Schwarzwild durch den Park. Solche ganzheitlichen Erfahrungen bleiben auch bei uns Erwachsenen hängen.

Erfahrungen abholen und mitreden lassen: ‚Der perfekte Wald’

Modell des perfekten Waldes (c) Isabelle Frühwirt
Modell des perfekten Waldes (c) Isabelle Frühwirt

Im 2. Teil haben wir die Aktivität ‚Der perfekte Wald’ durchgeführt um methodische Ideen von waldpädagogischen Aktivitäten mit Erwachsenen bleibend zu üben. Die Methode wurde am Lagerfeuer rege diskutiert und der Austausch als enorm wichtig befunden. Austausch, den die Teilnehmenden des Lagerfeuers laut Feedbacks auch ihren erwachsenen Teilnehmenden zukünftig häufiger ermöglichen wollen.

Auswertung ist wichtig und zeigt: „Weniger reden, mehr erfahren“

In der anschliessenden Diskussion und der Auswertung gab es folgende Erkenntnis: „Wenn wir die Wünsche der erwachsenen Waldbesucher an die Waldbewirtschaftung erfahren wollen, oder auch etwas für die Weiterentwicklung unseres Betriebs, müssen wir Aktivitäten wählen, bei denen die Teilnehmenden aktiv sind und reden können.“ Diese Hauptpunkte haben die Kursteilnehmenden für Anlässe mit erwachsenem Zielpublikum mitgenommen:

  • Diskutieren und austauschen (lassen)
  • Anpacken lassen
  • Gemeinsam Ausprobieren
  • Neue Ideen bzgl. Didaktik und Methodik
  • Weniger reden, mehr erfahren
  • Von der Erfahrung alter Hasen profitieren

Forstliche Waldpädagogik erweitert die Dienstleistungspalette

Nur am Rande war Waldpädagogik ein Thema im Fowala Kurs ‚Neue Wege in der Waldkommunikation – Wie erreichen wir Zielgruppen, die wir nicht kennen?’. Es wurde aber auch Wertvolles für die Waldpädagogik festgehalten:

  • Waldnutzer in die Produktentwicklung einbeziehen
  • Kooperation mit anderen Organisationen
  • Dienstleistungen müssen gut beworben werden

Gute Waldpädagogik ist immer auch gute Kommunikation und bei gut gemachter Kommunikation gibt es in der Regel auch etwas zu lernen. Kommunikation (ob für einen Betrieb, die Waldwirtschaft oder für „den Wald“) ist jedoch immer eine Eigenleistung. Im besten Fall ist es eine Investition und der Betrieb erhält etwas zurück. Selten ist dieser Return aber messbar und noch schwieriger ist es, konkrete Wirkungen allgemeinen Kommunikationsmassnahmen zuzuordnen.


Gute forstliche Waldpädagogik ist eine Dienstleistung und diese soll vom Kunden bezahlt werden. Wichtig ist daher, (mindestens betriebsintern) die Bildungsangebote von Kommunikationsmassnahmen sauber zu trennen.


Natürlich ist es nicht einfach, die richtigen Angebote für die richtigen Zielgruppen zu finden. Und erschwerend kommt dazu, dass in der (öffentlichen) Bildung auch laufend gespart wird. Ermutigend ist, dass die Bildungsbedürfnisse in allen Bevölkerungskreisen gross sind (und steigen) und die Waldwirtschaft pädagogisch und didaktisch etwas zu bieten hat.
Schlussendlich ist forstliche Waldpädagogik eine Dienstleistung, die es sorgfältig zu planen, durchzuführen und zu evaluieren gilt. Sowohl inhaltlich wie auch betriebswirtschaftlich.

Weiterbildung als Grundlage für gute Waldpädagogik

Weiterbildung als Grundlage neue Dienstleistungen zu entwickeln
Diesen Frühling fand der erste Teil des ersten Kurses ‚Grundlagen Forstliche Waldpädagogik’ statt. Zwei Äusserungen aus der Feedbackrunde freuten mich besonders: „Ich habe nun richtig Lust, das Gelernte bei mir im Betrieb anzuwenden. Ich habe Ideen für neue Angebote.“ Voila, ein Ziel des Kurses bereits in der Hälfte der Zeit erreicht.
Im Bewusstsein des Bildes das SILVIVA in der Forstbranche immer noch hat, war ich glücklich über das Fazit das der junge Forstwart aus dem Kanton Zürich gezogen hat: „Der ganze Kurs war ja überhaupt nicht ‚gschpüürschmi’!“.

Ich bin überzeugt, dass die forstliche Waldpädagogik einen wachsenden Stellenwert haben wird. Erstens als weitere Dienstleistung der Forstbetriebe, zweitens als herausfordernde Arbeit der Forstfachleute und nicht zuletzt als professionelles ausserschulisches Bildungsangebot, das von der Bevölkerung geschätzt wird.

 

Christian Stocker

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